Der skandinavische Stil ist eine der erkennbarsten Strömungen in Architektur und Innenraumgestaltung.
Er zeichnet sich durch Einfachheit und eine funktionale Herangehensweise aus: Für Skandinavier zählen Raum und Komfort, vor allem durch eine Vorliebe für Minimalismus.
In unserer Reihe „Fenster von der Welt“ geht es diesmal nach Skandinavien – zu praktischen Lösungen, auch beim Fensterrahmen.
Nach außen öffnende Fenster
Eines der prägendsten Merkmale skandinavischer Fenster ist der nach außen öffnende Flügel. Die Lösung ist sehr praktisch und entstand vor allem aus dem Klima im Norden. Das Wetter ist dort oft kalt und vor allem windig. Genau deshalb hat man diese Konstruktion entwickelt: Der Sturm drückt den Flügel an den Rahmen und verbessert so die Dichtheit des gesamten Fensters.
Wichtig: Nach außen öffnende Fenster sind auch in Großbritannien und den Niederlanden üblich – auf diesen Märkten heißen sie Casement-Fenster.
Bauteile nur dann einzusetzen, wenn sie eine klare Aufgabe haben – das ist skandinavischer Pragmatismus. Überflüssiges sucht man hier vergeblich. In diesem Sinne haben die Bewohner des Nordens folgende Flügelarten etabliert:
- Side Hung – nach außen aufgehende Fenster (seitlich angeschlagen)
- Top Hung – schwenkbare Fenster (oben angeschlagen)
- Side Swing – senkrecht (vertikal) drehbare Fenster
- Top Swing – waagerecht (horizontal) drehbare Fenster

Casement-Fenster
In traditionellen skandinavischen Fenstern findet man andere Beschläge als im übrigen Europa: einfache Drehgelenke und Schienendrehgelenke (bei schwenkbaren und drehbaren Flügeln) sowie Aussteller, Haken und Spangen. Alles zielt darauf, die Architektur an den minimalistischen Anspruch und den vorhandenen Raum anzupassen.
Solche Lösungen eignen sich auch dort, wo wenig Platz ist: Der nach außen öffnende Flügel spart Raum im Innenbereich. Und bei windigem Wetter bewährt sich die Konstruktion besonders.
Die Funktionalität von Casement-Fenstern in Skandinavien
Nach außen öffnende Fenster sind sehr funktional: Das Fensterbrett bleibt frei nutzbar, und auch ein hoher Schreibtisch stört nicht. In dieser Hinsicht kommen ihnen nur englische Schiebefenster gleich. Es könnte scheinen, die Außenscheibe eines skandinavischen Fensters sei kaum zu putzen. Dafür gibt es eine klare Antwort: Weit verbreitet sind Flügel, die sich um 170°–180° drehen lassen – so ist die Reinigung von außen kein Problem.
Skandinavische Holzfenster
Ein weiteres Merkmal des skandinavischen Stils ist der Bezug zur Ökologie. Die Menschen im Norden schätzen natürliche Werkstoffe – deshalb sind skandinavische Holzfenster so gefragt. Die Tischlerei aus Kiefer und Meranti lässt sich mit Wetterschenkeln schützen, die die Konstruktion vor Witterung bewahren. Diese Elemente können aus Holz sein; üblich sind auch Aluminiumkappen. Mehr dazu:
Der skandinavische Stil gilt als schlicht, bequem und funktional: Er jagt keinen kurzlebigen Trends hinterher, sondern verfeinert bewährte Lösungen – und das zeigt sich besonders an nach außen öffnenden Konstruktionen.

